Lkw-Transporte nach Großbritannien 2026: Zoll, Dokumente und Regeln nach dem Brexit

Stand: 25. Oktober 2026. Seit dem Brexit ist jeder Lkw nach Großbritannien ein Zollvorgang. Dazu sind in den letzten Jahren weitere Pflichten gekommen – für Ware, Fahrzeug und Fahrer. Hier finden Sie, was 2026 gilt und was Verlader vorbereiten müssen.
Das Wichtigste in Kürze
Zoll: Für jede Sendung braucht es eine Ausfuhranmeldung in der EU und eine Einfuhranmeldung in Großbritannien.
Sicherheitsdaten: Seit 31. Jänner 2025 muss für Waren aus der EU vor der Ankunft in Großbritannien eine Sicherheitsanmeldung (ENS) vorliegen.
GVMS: An den wichtigsten Häfen und am Eurotunnel läuft die Abfertigung über eine Fahrzeugreferenz (GMR) im britischen System GVMS.
ELO: Seit 20. April 2026 braucht jeder Lkw, der über Frankreich nach Großbritannien fährt, eine ELO der französischen Zollverwaltung.
Fahrer: Einreise nur mit Reisepass. Seit 25. Februar 2026 wird die elektronische Einreiseerlaubnis ETA streng kontrolliert.
Welche Zollanmeldungen nötig sind
Großbritannien ist für den Warenverkehr ein Drittland. Für jede Sendung fallen deshalb zwei Zollvorgänge an:
Schritt | Wo | Wer kümmert sich |
Ausfuhranmeldung | EU (Versand) | Versender oder sein Zollagent |
Sicherheitsanmeldung (ENS) | Großbritannien, vor Ankunft | Frachtführer, auch über Beauftragte |
Einfuhranmeldung (CDS) | Großbritannien | Empfänger oder sein Zollagent |
Fahrzeugreferenz (GMR) | britisches System GVMS | Frachtführer oder Spedition |
Wichtig ist, dass alle Referenznummern zusammenpassen. Stimmen Zollanmeldung, Warennummer und Begleitdokumente nicht überein, bleibt die Ware im Hafen stehen. Die Wirtschaftskammer rät Versendern, die Unterlagen vollständig an die Spedition zu übergeben, damit der Fahrer sie dabei hat.
Sicherheitsanmeldung und GVMS
Seit 31. Jänner 2025 muss für alle Waren aus der EU vor dem Eintreffen in Großbritannien eine Sicherheitsanmeldung (Entry Summary Declaration, ENS) abgegeben werden. Verantwortlich ist der Frachtführer – auch wenn ein Dienstleister die Daten für ihn einreicht.
An den Häfen und am Eurotunnel, die das britische Goods Vehicle Movement Service (GVMS) nutzen, braucht jeder Lkw eine Fahrzeugreferenz, das Goods Movement Reference (GMR). Darin werden die Zollreferenzen der geladenen Sendungen gebündelt.
ELO für die Route über Frankreich
Seit 20. April 2026 verlangt der französische Zoll für alle Lkw und Trailer, die über Frankreich nach Großbritannien oder zurück fahren, eine „Enveloppe Logistique Obligatoire“ (ELO). Sie bündelt die Zoll- und Sicherheitsreferenzen der Ladung unter einem Barcode – eine ELO pro Fahrzeug. Ohne ELO kann die Fähre oder der Shuttle die Mitnahme verweigern.
Was der Fahrer braucht
Reisepass: Seit 1. Oktober 2021 reicht der Personalausweis für die Einreise nicht mehr.
ETA: EU-Bürger brauchen für die Einreise eine elektronische Einreiseerlaubnis (Electronic Travel Authorisation). Seit 25. Februar 2026 wird sie streng durchgesetzt – ohne ETA keine Beförderung. Sie kostet 16 Pfund.
Entsendemeldung: Fahrer und Fahrten im grenzüberschreitenden Verkehr werden vorab über das EU-Portal IMI gemeldet.
Fahrzeugsicherung: Für jede Person, die sich unerlaubt im Lkw versteckt, drohen dem Unternehmen bis zu 10.000 Pfund Strafe. Das Fahrzeug muss gesichert und kontrolliert werden.
Kabotage in Großbritannien
Nach dem Handels- und Kooperationsabkommen zwischen der EU und Großbritannien dürfen Unternehmen mit EU-Gemeinschaftslizenz nach einer Fahrt nach Großbritannien höchstens zwei weitere Beförderungen innerhalb von sieben Tagen im Land durchführen. Unbegrenzte Inlandstransporte wie innerhalb der EU sind nicht möglich.
Kosten, die dazukommen
Zollabwicklung auf beiden Seiten, meist über Zollagenten.
Fähre oder Eurotunnel.
Britische Lkw-Straßenbenutzungsgebühr (HGV Road User Levy), seit 31. Juli 2023 wieder eingeführt.
In London die Umweltzone ULEZ, die seit 29. August 2023 alle Stadtbezirke umfasst.
So planen Sie Transporte nach Großbritannien
Zollagenten früh festlegen: auf EU-Seite und in Großbritannien, mit klarer Aufgabenteilung.
Unterlagen vollständig übergeben: Handelsrechnung, Warennummern, Zollreferenzen, bei Bedarf Ursprungsnachweis.
Mehr Zeit einplanen: Zollvorgänge und Hafenkontrollen verlängern die Laufzeit.
Fahrer prüfen: Reisepass und gültige ETA vor Abfahrt.
Lebensmittel und Pflanzen gesondert klären: Für tierische und pflanzliche Waren gelten in Großbritannien zusätzliche Kontrollen.
Häufige Fragen
Brauchen Lkw-Fahrer aus der EU eine ETA für Großbritannien?
Ja. EU-Bürger brauchen für die Einreise eine Electronic Travel Authorisation. Seit 25. Februar 2026 wird sie streng kontrolliert, ohne ETA ist keine Beförderung möglich. Sie kostet 16 Pfund.
Was ist GVMS?
Das Goods Vehicle Movement Service ist das britische System, über das Lkw an vielen Häfen und am Eurotunnel abgefertigt werden. Jeder Lkw braucht dafür eine Fahrzeugreferenz (GMR), in der die Zollreferenzen der Ladung gebündelt sind.
Was ist die ELO?
Die Enveloppe Logistique Obligatoire ist seit 20. April 2026 für Lkw und Trailer Pflicht, die über Frankreich nach Großbritannien oder zurück fahren. Sie bündelt die Zoll- und Sicherheitsreferenzen unter einem Barcode.
Ist eine Sicherheitsanmeldung für Waren aus der EU nötig?
Ja, seit 31. Jänner 2025. Für alle Waren aus der EU muss vor der Ankunft in Großbritannien eine Entry Summary Declaration (ENS) vorliegen. Verantwortlich ist der Frachtführer.
Dürfen EU-Lkw in Großbritannien Inlandstransporte fahren?
Nur eingeschränkt: Nach einer Fahrt nach Großbritannien sind höchstens zwei Kabotagebeförderungen innerhalb von sieben Tagen erlaubt.
Transporte nach Großbritannien und Irland
Großbritannien und Irland gehören zu unseren Schwerpunkten – betreut von unseren Teams in Langkampfen, im Zillertal und in Aschaffenburg. Spedination organisiert Komplettladungen zwischen Kontinentaleuropa und Großbritannien. Sprechen Sie uns an: office@spedination.com, +43 5372 21960.
